Zweisprachigkeit in unserer Familie

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Woher wir kommen
Warum zweisprachig
Ich bin geboren und aufgewachsen in Nordfriesland, das an der Grenze zu Dänemark an der Westküste Schleswig Holsteins liegt.

Die Region war bis 1864 dänisch, und deswegen gibt es dort auch heute noch eine dänische Minderheit mit ihren eigenen Schulen und kulturellen Einrichtungen. In meiner Kindheit habe ich allerdings keinerlei Berührungspunkte mit den Dänen oder dem Dänischen gehabt.

Mein Großvater war um 1900 aus Posen nach Nordfriesland gekommen, und in der Familie wird Deutsch und teils auch Plattdeutsch gesprochen.

1988 lernte ich Karen kennen, die später meine Frau wurde, und 1990 zog ich zu ihr nach Dänemark. Als ich Karen kennenlernte, kommunizierten wir zunächst auf Englisch, aber nach einem Jahr hatte ich soviel Dänisch gelernt, daß es mir unnatürlich schien, mit ihr eine andere Sprache als Dänisch zu sprechen.
1997 wurde unser erster Sohn Frithjof geboren, und Karen und ich waren wir uns von Anfang an einig, daß er zweisprachig aufwachsen sollte.

Ich empfinde es als eine der wichtigsten Gaben, die man seinen Kindern in die Wiege geben kann, wenn man sie von Anfang an zweisprachig erzieht. Und ich wäre mir auch merkwürdig vorgekommen, wenn ich mit meinen eigenen Kindern nicht meine Muttersprache sprechen könnte.

Und ich möchte ihnen auch etwas den Dingen an von der deutschen Kultur vermitteln, die mir wichtig sind.
Die Wahl der Methode
Die erste große Entscheidung war, ob wir der Minority language at home - Methode (ml@h) oder der One Parent One Language Methode (OPOL) folgen sollten.

Schon während Karens Schwangerschaft probierten wir es aus, beide zu hause nur Deutsch zu sprechen. Aus irgendeinem Grund verfielen wir untereinander aber immer ins Dänische – so daß es uns das natürlichste schien, wenn jeder von uns mit dem Kind in seiner eigenen Muttersprache sprach.

Ich habe also von Anfang an mit meinen Kindern Deutsch gesprochen.

Die ersten Jahre
In seiner sprachlichen Entwicklung war Frithjof sicher in seinen ersten Lebensjahren etwas langsamer als der Durchschnitt seiner Altersgenossen. Aber ob das an seiner Zweisprachigkeit liegt, ist schwer zu sagen.

In seinen ersten beiden Lebensjahren hatte er oft Mittelohrentzündung, und er hat zeitweise schlechter gehört als andere Kinder. Seine Motorik entwickelte sich dagegen wesentlich schneller – so konnte er mit 10 Monaten laufen und mit drei Jahren ohne Stützräder radfahren, vielleicht hat er sich also einfach motorisch schneller als sprachlich entwickelt, so ist es ja oft bei Jungen.

Ich glaube, die ersten drei Jahre waren die Zeit, in der es am schwersten war, zweisprachig zu erziehen – einfach weil ich am Anfang so wenig Erfolgserlebnisse hatte. Ich war zu hause der einzige, der Deutsch sprach, während in der sonstigen Umgebung der Kinder alles auf Dänisch ablief.

Anstrengender ist es, wenn wir zugleich mit dänischen Kindern zusammen sind. Dann spreche ich in der Regel deutsch und übersetze danach für das dänische Kind.
Hilfsmittel
Wenn ich den Kindern vor dem Einschlafen eine Geschichte vorlese, geschieht dies auf Deutsch, und natürlich lese ich am liebsten ein deutsches Kinderbuch.

Man muß da natürlich immer wieder ein Gleichgewicht finden. Karen möchte den Kindern natürlich auch ihre Sprache und Kultur vermitteln, und es gibt sehr viele gute dänische Kinderbücher.

Mittlerweile haben wir eine recht umfangreiche Sammlung an deutschsprachigen Büchern, und wenn die Kinder ein dänisches Buch lesen wollen, übersetze ich eben. Bei dänischen Reimen oder Liedern muß ich allerdings passen.

Außerdem bat ich Freunde und Familie in Deutschland, uns Videokassetten mit der Sendung mit der Maus und der Sesamstraße aufzunehmen, und seit einigen Jahren können wir auch deutsches Fernsehen empfangen. Die Kinder sehen nicht viel fern, aber wenn sie es tun, sehen sie vor allem deutsches Kinderfernsehen.

Hinzu kommen deutschsprachige Musik- und Hörspielkasstten. Die sind aber eher phasenweise bei den Kindern gefragt. Und dann deutschsprachige Computerspiele, wo die Kinder auch einiges gelernt haben..

Besuche bei der Familie und Freunden in Deutschland haben wir natürlich auch so oft wie möglich gemacht. Aber da es in meiner Familie kaum Kinder im gleichen Alter wie unsere gibt, haben die da wenig Berührungsflächen.

Inzwischen haben wir auch einen Kontakt zu einer anderen deutsch/dänischen Familie hier in Kopenhagen – allerdings sprechen die Kinder meist Dänisch miteinander...
Noch ein zweisprachiges Kind
Einen Schub in der Zweisprachigkeit gab es, als 1999 unser zweiter Sohn Thorbjørn geboren wurde. Plötzlich sprach ich nicht mehr nur mit einem Kind Deutsch, sondern mit Zweien.

Für Thorbjørn war der zweisprachige Hintergrund also von Anfang an natürlicher als für seinen großen Bruder,

Außerdem war ich 1999 einige Monate arbeitslos, hatte also mehr Zeit für die Kinder. Das hatte enormen Einfluß auf ihre sprachliche Entwicklung.
Momentaufnahme April 2003
Das ist zur Zeit (April 2003) auch wieder der Fall, weil ich wieder mal arbeitslos bin, und ich mir nun in Verbindung mit der Geburt unseres Jüngsten (Bertram, 2002) einen halbjährigen Vaterschaftsurlaub gesichert habe.

Aber immer noch ist es so, daß die Kinder mir in der Regel auf Dänisch antworten, auch wenn wir zusammen ohne Karen in Deutschland sind.

Seit kurzem kommt es aber manchmal vor, daß Frithjof Thorbjørn oder mir ein kleines Bilderbuch auf deutsch vorliest, nachdem ich es für ihn gelesen habe. Das war übrigens seine eigene Idee, und es war natürlich ein riesiges Erfolgserlebnis für mich.

Frithjof sagt selbst, daß er immer meint, ich spreche dänisch mit ihm – er übersetzt also anscheinend nicht bewußt, sondern das passiert automatisch.

Im August 2003 wird Frithjof in der Vorschulklasse der deutsch/dänischen Petri-Schule anfangen, und damit wird die deutsche Sprache dann noch wesentlich präsenter werden.

Bei Thorbjørn habe ich den Eindruck, daß er sprachlich schon etwas weiter ist, als es sein großer Bruder in seinem Alter war. Es wird auch spannend sein, zu sehen, wie sich die Sprache bei Bertram entwickeln wird.
Nach 9 Jahren (April 2006)
Inzwischen gehen Frithjof und Thorbjørn zur Schule, und Bertram in den Kindergarten.

Die beiden Grossen sprechen sehr gut Deutsch, und haben auch mit dem Dänischen keine Probleme.

Frithjof hatte, bevor er zur Schule kam, nicht viel Deutsch mit mir gesprochen. Das änderte sich drastisch, als er in der Vorschulklasse anfing, und innerhalb einer Woche begann er sich mit mir auf Deutsch zu unterhalten!

Thorbjørns Deutsch hat sich auch sehr gut entwickelt. Untereinander sprechen die Kinder meist Dänisch.

Bertram versteht auch beides, spricht aber noch nicht soviel wie ein gleichaltriger Einsprachiger.

Auch wie seinerzeit bei seinen Brüdern sind die Erzieher in seinem Kindergarten etwas besorgt über seine sprachliche Entwicklung, aber ich denke, er wird das schon einholen.
Wird fortgesetzt...